Ich brachte es also zu Papier, unter dem Namen „Det sorte fåret“ (Das schwarze Schaf). Da ich die Handlung in eine Landgemeinde verlegt hatte, war es nur natürlich, dass ein Lensmann (wie ein ländlicher Polizeichef in Norwegen heißt) die Ermittlungen aufnahm. So entstand Ole Vik.
Im Zuge der Arbeit nahm vor meinem geistigen Auge langsam, aber sicher das idyllische Fjellberghavn Gestalt an, mit alten, windschiefen Holzhäusern und engen Gassen und Straßen, gelegen an einem der vielen Fjorde in dieser Gegend. Ein Paradies auf Erden. Am liebsten wäre ich auf der Stelle selbst dort hingezogen.
Leider ging das Projekt aber damals nicht auf. Ein Verlag zeigte zwar Interesse, ging aber kurz danach in Konkurs. Das Manuskript kam an mich zurück und machte bei mehreren Verlagen die Runde, bis es schließlich – zusammen mit dem Glauben an eine höhere Berufung – in der sprichwörtlichen Schublade landete. Dort blieb es liegen, bis Damm mich 1999 erneut darauf ansprach und dazu motivierte, es mit Blick auf eine modernere Gestaltung und Sprache zu überarbeiten. Daraufhin wollte man es nochmals unverbindlich begutachten.
Ein Jahr später war das Manuskript fertig – wurde aber abgelehnt. In einer reflektierten Begründung schrieb Chefredakteur Tomas Algard unter anderem: „Viele Autoren brauchen ein Pilotprojekt. Vielleicht ist ,Das schwarze Schaf‘ Ihr Pilotprojekt und Ihre Arbeit mit Ole Vik beginnt erst jetzt?“
Er hatte recht. Das Manuskript landete zwar wieder in der Schublade, aus der es gekommen war, aber das Projekt an sich hatte das Interesse des Verlages geweckt. So kam an Ostern 2003 das erste Buch über Ole Vik (Skyggejakten – Die Schattenjagd) heraus. Der nächste Titel (Kameleonene – Die Chamäleons) erschien 2004, gefolgt von Dødssymfoni (Todessymphonie) im Jahr 2006 und Blodskrift (Blutschrift) 2007.
Ich habe die Serienform gewählt, damit Sie als Leser direkt in ein bereits vertrautes Umfeld einsteigen können. Die Bücher können dennoch unabhängig g voneinander gelesen werden, da die jeweiligen Handlungen in sich geschlossen sind. Somit ist es auch kein Problem, dass Sie als neuer Leser mit Blutschrift bereits das vierte Buch der Serie in Händen halten.
In den Büchern lernen Sie also Ole Vik und seine Mitarbeiter kennen, wobei Ole und seine rechte Hand, Polizeiobermeisterin Cecilie Hopen, die Hauptpersonen sind. Die übrigen Mitarbeiter sind Nebenrollen, die je nach Buch und Handlung in Erscheinung treten. Dasselbe gilt für einzelne Schlüsselpersonen im lokalen Umfeld.
Sie machen auch Bekanntschaft mit einem autoritären Polizeipräsidenten und seinen Juristen, der Redakteurin der Lokalzeitung sowie anderen Personen, mit denen der Lensmann im Alltag zu tun hat – darunter nicht zuletzt mit seiner Lebensgefährtin Hilde Ramnes.
Ole Vik ist ein eher gemütlicher Mann, der aufgrund seines stattlichen Körperbaus allerdings auch bedrohlich wirken kann, verbunden jedoch mit einer aufrichtigen Fürsorge für seine Leute und die Bewohner von Fjellberghavn. Er ist Mitte fünfzig und geschieden, und Buch für Buch gibt es neue Entwicklungen in seiner Liebe und Beziehung zu Hilde. Ole ist ein geradliniger Mensch, was aber nicht heißt, dass er ohne Fehler wäre. So tritt er nicht selten lautstark in das eine oder andere Fettnäpfchen. Ein unkonventioneller, markanter Farbtupfer, der häufig zu Fernsehdebatten eingeladen wird. Meist winkt er zwar dankend ab, doch nicht immer.
Aus seinem engsten Umfeld nicht wegzudenken ist der Border-Collie Birk, der nicht von seiner Seite weicht. Birk ist zwar kein zugelassener Polizeihund, aber ein vortrefflicher Spürhund. Ole setzt ihn mitunter inoffiziell ein, und bezeichnet ihn spaßeshalber auch als seinen „Hilfssheriff“. Birk spielt in allen Büchern eine zentrale Rolle und trägt auf seine Weise zur Lösung der verschiedenen Fälle bei.
Birk ist der einzige, den es auch im wahren Leben gibt. Da gehört er meiner Frau Marit, die aktiv mit ihm zugange ist; in den Nutzhundebewerben hier in Bergen mischt er bereits in der zweithöchsten Klasse mit. Er ist ein aufgeweckter, lustiger Kerl, voller Eifer und Tatendrang. In den Büchern wird er stets so dargestellt, wie er sich auch in Wirklichkeit verhalten würde.
In meinem Bemühen um eine möglichst glaubwürdige Schilderung sowohl des ländlichen Polizeiumfelds als auch der Ermittlungsarbeit konnte ich auf zwei kompetente Polizeiberater zählen: Lensmann Harald Andersen in Laksevåg und Edvin Meling Hansen von der Polizei in Fana. Beiden verdanke ich wertvolle Rückmeldungen, wobei Edvin als unermüdlicher Bücherwurm zusätzlich auch als Testleser fungiert hat.
Wenn ich selbst ein spannendes Buch lese, möchte ich vom ersten Satz an gefesselt werden und diese Spannung bis zur letzten Seite nicht verlieren. Das war denn auch mein erklärtes Ziel für meinen eigenen Schreibprozess. Ich hoffe, dass mir dies in diesem Sinne gelungen ist.
Derzeit arbeite ich am letzten Feinschliff des fünften Buches über Ole Vik und seine Mitarbeiter, das in Norwegen im Juli 2009 erscheinen wird.
Bergen, im Januar 2009
Jørgen Jæger |
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